Installation im Rahmen der Ausstellung "INvitro" im Rechenzentrum der Universität zu Köln

Inkjetdruck auf Japanpapier
Edelstahlhalterung


Ich mag diese Dinge, die Spaß machen, die ästhetisch sind, intelligent und gleichzeitig nutzlos. Nicht alles im Leben muss immer einen tiefen Sinn ergeben. Also treibt meine Arbeit mit dem Betrachter ein doppelbödiges Verwirrspiel, sieht er doch auf den ersten Blick einen Text, den er sofort mit Shakespeare in Verbindung bringt, der ihm aber bereits nach dem Lesen der ersten Zeilen deutlich macht, dass es sich um etwas ganz anderes handeln muss. Der eindringliche, hypnotische Blick aus der Mitte heraus hilft bei der Entschlüsselung nicht weiter, höchstens in dem Sinne, dass er den Betrachter mit dem Titel der Arbeit Hello World! zu begrüßen scheint.

Dieser bezieht sich auf ein kleines Computerprogramm, dessen Aufgabe es ist, den kleinen Satz Hello World! auszugeben. Dieses soll auf möglichst einfache Weise zeigen, welche Anweisungen oder Bestandteile für ein vollständiges Programm in einer Programmiersprache benötigt werden, und somit einen ersten Einblick in die Syntax geben.

Die Verwendung des Textes „Hello World!“, der auch durch einen beliebigen Text ersetzt werden kann, aber dennoch gerne unverändert benutzt wird, ist eine Tradition und geht auf ein internes Programmierhandbuch der Bell Laboratories über die Programmiersprache C zurück, das Brian Kernighan 1974 verfasste, nachdem er dort schon ein Jahr zuvor die Wörter „hello“ und „world“ in einer Einführung in die Programmiersprache B verwendet hatte.

Bei meiner Recherche zu diesem Thema bin ich auf die Gattung der esoterischen Programmiersprachen gestoßen, die manchmal auch einfach exotische Programmiersprachen genannt werden. Ihren Sinn kann man nicht erklären, sie haben keinerlei praktischen Nutzen. Sie wurden erfunden um eine Idee auszudrücken, einen Rekord aufzustellen, oder auch nur so zum Spaß.

SPL - Shakespeare Programming Language - von Karl Hasselström und Jon Åslund
ist ein ganz besonderes Kleinod unter den Programmiersprachen. Der Programmcode sieht aus wie eines von William Shakespeares Theaterstücken. Variablen werden folgerichtig nach Shakespeares Charakteren benannt, Zahlen über die Aneinanderreihung von Adjektiven ausgedrückt. So weist z.B. die Zeile „Hamlet: You lying stupid fatherless big smelly half-witted coward“ der Variablen „Hamlet“ den Wert -64 zu, da „coward“ als negatives (schlechtes) Wort den Wert -1 hat, der durch die sechs vorgeschalteten Adjektive sechsmal verdoppelt wird.

So bekommt das scheinbar Sinnlose doch noch einen Sinn, oder?


Quellen:

The Shakespeare Programming Language
Karl Hasselström Jon Åslund
shakespearelang.sourceforge.net
netzpolitik.org
Wikipedia
Hello World! Installation 2016-1Hello World! Installation 2016-2Hello World! Installation 2016-3Hello World! Installation 2016-4